Ich habe mich mit 3D-Druck selbstständig gemacht. Aus dem Drucker im Arbeitszimmer ist ein Einzelunternehmen geworden, das Subthiel heißt, und seit Mitte Juli gibt es dazu einen eigenen Shop. Hier steht, wie es dazu kam und was ich daraus bisher gelernt habe.
Warum ich mit 3D-Druck selbstständig geworden bin 🤔
Es gab keinen Moment, in dem ich mich hingesetzt und einen Businessplan geschrieben habe. Es gab eine Reihe von Momenten, in denen jemand ein gedrucktes Teil in der Hand hielt und fragte: "Kannst du mir davon zwei machen?"
Irgendwann waren es nicht mehr zwei. Es waren zwanzig, und es waren Leute, die ich nicht kannte. Spätestens da wird aus einem Gefallen eine Dienstleistung, und aus einer Dienstleistung wird ein Gewerbe. Nicht weil ich unbedingt Unternehmer werden wollte, sondern weil die Alternative gewesen wäre, Nein zu sagen.
Wie ich überhaupt zum Drucken gekommen bin, habe ich vor einer Weile schon aufgeschrieben. Das ist die Vorgeschichte zu allem, was jetzt kommt.
Was Subthiel eigentlich macht 🖨️
Subthiel hat zwei Beine. Das eine ist der 3D-Druck: Prototypen, Kleinserien, Ersatzteile und Auftragsfertigung nach Kundendatei. Das andere ist Softwareentwicklung, vor allem alles, was nah am Gerät bleibt. ESP32, ESPHome, Firmware, kleine Tools, Web-Frontends mit sauberen APIs dahinter.
Das klingt nach zwei Baustellen, ist aber in der Praxis oft dasselbe Projekt. Ein Sensor braucht ein Gehäuse, ein Gehäuse braucht eine Firmware, und am Ende will jemand die Werte in einem Dashboard sehen. Dass beides aus einer Hand kommt, ist kein Marketing-Satz, sondern der Grund, warum ich es überhaupt so aufgezogen habe.
Der Laden ist ein Einzelunternehmen aus NRW. Kein Team, keine Halle. Ein Bambu Lab H2S mit drei AMS Pro, was mir dreizehn Filamentplätze und damit Mehrfarbdruck ohne Umspulen gibt, und ein Mensch, der jede Anfrage von Hand anschaut, bevor irgendetwas losläuft.
Die Chips: eine Zusammenarbeit, kein Alleingang 🛒
Der Teil, der mich selbst am meisten überrascht hat, und der wichtigste Punkt gleich vorweg: Die Einkaufswagenchips sind nicht auf meinem Mist gewachsen. Sie sind in Zusammenarbeit mit Susanne von "Patches gegen Rechts" entstanden.
Susannes Seite verkauft Aufnäher, Sticker und Merch mit klarer antifaschistischer Haltung. Die Chips sind der Teil davon, der aus meinem Drucker kommt: Ich fertige sie im Auftrag und vertreibe sie zusätzlich im eigenen Shop.

Technisch sind es Chips im 1-Euro-Format, mehrfarbig gedruckt, mit dem Motiv als echter Geometrie statt als Aufdruck. Die Farbe steckt im Material, da blättert nichts ab, und auf der Rückseite sitzt ein QR-Code, der funktioniert. Ein Chip, der jede Woche am Einkaufswagen hängt, lebt eben deutlich länger als jeder Flyer.

Für mich war das der erste Auftrag, bei dem sich jemand anderes auf meine Fertigung verlassen hat. Das ist ein anderer Anspruch als ein Teil für den Eigenbedarf. Es müssen alle gleich aussehen, sie müssen reproduzierbar sein, und sie müssen dann fertig werden, wenn sie zugesagt sind. Genau das ist der Unterschied zwischen Hobby und Gewerbe, und ich habe ihn an diesem Auftrag gelernt.
Mir ist bewusst, dass man mit klarer Haltung auch Kundschaft verliert. Das ist eingepreist. Ich baue lieber Dinge, hinter denen ich stehe, als Dinge, die niemandem wehtun.
Auftragsdruck: deine Datei, mein Drucker 📦
Das Herzstück für alles, was kein fertiges Produkt ist. Du lädst eine STL- oder 3MF-Datei hoch, drehst sie in einer Live-Vorschau im Browser und siehst sofort einen unverbindlichen Richtpreis. Die Anfrage kostet nichts.
Zwei Dinge waren mir dabei wichtig. Erstens bleibt die Datei für die Vorschau komplett in deinem Browser, sie wird erst mit dem Absenden übertragen. Zweitens prüfe ich jedes Modell von Hand, bevor ein verbindlicher Preis rausgeht. Automatisierte Upload-Plattformen nennen dir sofort eine Zahl und schieben dir das Risiko rüber, wenn das Teil nicht druckbar ist. Ich mache es andersherum.
Kleinserien gehen bis 500 Stück. Ersatzteile sind inzwischen einer der häufigsten Aufträge, meistens Kleinkram, den es nirgends mehr zu kaufen gibt.

Was das mit mir gemacht hat ⏱️
Ehrlich? Der Druck ist der einfachste Teil. Was mich Zeit gekostet hat, waren Impressum, AGB, Widerrufsbelehrung, Versandkosten, Verpackungsregister, Kleinunternehmerregelung, Buchhaltung. Lauter Dinge, die nichts mit dem zu tun haben, was ich eigentlich machen wollte, und die trotzdem stimmen müssen.
Der zweite Lerneffekt: Ein Shop, den niemand findet, ist ein sehr aufwändiges Hobby. Ich sitze gerade an genau dem Thema, und die Zahlen sind ernüchternd. Sichtbarkeit ist Arbeit, und sie kommt später als alles andere.
Der dritte: Es macht trotzdem Spaß. Wenn eine Bestellung reinkommt und ich weiß, dass da gleich mein Drucker anläuft und in ein paar Tagen jemand ein Ding in der Hand hält, das es vorher nicht gab, dann ist das ein anderes Gefühl als ein gemergter Pull Request.
Fazit 🚀
Subthiel ist kein großer Wurf, sondern ein Einzelunternehmen aus NRW, das Dinge druckt und Software schreibt. Der Shop läuft seit Mitte Juli, der Auftragsdruck nimmt Dateien entgegen, und ich lerne gerade jeden Tag etwas über Teile des Geschäfts, von denen ich vorher nicht wusste, dass es sie gibt.
Wenn du etwas brauchst, das es so nicht zu kaufen gibt, oder ein Ersatzteil, das der Hersteller nicht mehr führt: schick es rüber. Und wenn du einfach nur einen Chip willst, der am Einkaufswagen eine Meinung hat, dann weißt du jetzt, wo es die gibt, und mit wem zusammen sie entstanden sind.
Layer für Layer. Zeile für Zeile.